Gartenlesen

Ich liebe es, Menschen durch ihre Gärten kennen zu lernen. Gut, es kommt nicht wirklich ans Hand-, Kaffeesatz- oder Eingeweidelesen heran. Weder lässt sich anhand des Grüns sagen, wie viele Kinder jemand bekommen kann oder hat, noch dass es sich bei diesem gärtnernden Wesen um ein Laktoseintolerantes handelt. Man hat keinen blassen Dunst, ob es auf schnittige Sportwagen steht oder im letzten Leben eine Glasflügelzikade war. Auch fällt das Lesen in Prêt-à-porter-Gärten einigermaßen schwer. (Solltet ihr den Begriff, den ich gerade erfunden habe, noch nicht kennen, findet ihr am untersten Scrollende eine behelfsmäßige Definition, versehen mit Ziffer 1.)

Was sich in wirklichen Gärten offenbart, ist gewissermaßen die Quintessenz eines Menschen. Ähnlich dem, was beim ersten Beschnuppern darüber entscheidet, ob man jemanden mag, dereinst mögen könnte oder eben nicht. Für die krudeste Einschätzung – vertrauenswürdig oder nicht? – reichen anscheinend wenige Sekunden, wenn überhaupt, in den meisten Fällen genüge ein Zehntel einer Sekunde. Eine Zehntelsekunde, man stelle sich das mal vor! Ich brauche schon länger, um nur allein dies ellenlange Wort zu denken. Ein unerhört fabelhaftes Ding, dieses Menschenhirn, wenn es schalten und walten darf, wie es gerade lustig ist.

Ich bin zwar auch ein Mensch und habe so ein Hirn, doch lehrte mich die Erfahrung, dieser Zehntelsekunden-Einschätzung nicht blindlings zu vertrauen. Zu oft habe ich mich sowohl in der als auch in der anderen Richtung so sehr vertan, dass ich mich noch heute dafür schäme.
Nicht so beim Gartenlesen. Das liegt nicht nur daran, dass dieses ebenselbige Lesen in der Regel ungeheuer viele Zehntelsekunden dauert, sondern auch an der einen platten Tatsache, die da lautet:

Gärten lügen nicht.

Egal, was auch immer man unter den Rasenteppich kehren möchte, man kann es eben nicht. Höchstens vertuschen. So als Notbehelf. Wirkt aber meistens nicht. Die meisten Gärtner wissen das und behelfen sich des Umkehrtricks: Man weise ohne Punkt und Komma auf all die Schwachstellen hin, derer man bisher nicht Herr wurde, aus welchen Gründen auch immer.

(Mein Zehntelsekundenhirn stupste mich gerade unsanft an und fragte: „Was, wenn es denn existieren würde, bedeutete wohl einer Sache Frau werden?“ Unerhört ärgerlich, dass das Hirn einem dauernd den roten Faden abzuzwacken bestrebt ist und es auch noch tut.)

Kürzlich hatte ich das Glück, in einen Garten eingeladen zu werden, der sieben geschlagene Frühlingswochen lang sturmfrei hatte. Während die Menschin desselben sich in Kompost und Asche warf wegen des Dschungels, des munter Party feiernden Gierschs, der wuchernden Brombeeren, die sich einem in die Hosenbeine und Oberbekleidung hakten und der wühlmausgeschädigten Pastinakenüberreste, sah ich nur Schönheit. Schwülstig duftende Rosenblüten, einen altehrwürdigen Rosmarin, der jeden Mitteleuropäer vor Neid die Nasenflügel erzittern lässt, rasselnde Samenstände der Schachbrettblume, überall hervorquellendes Leben, dichtes Gesummse und einen Baumbestand, der jedem Arboretler Freudentränen in die Augen treibt.

Sich für ein Weilchen selbst überlassen hat dieser Garten nichts anderes getan, als überdeutlich an den Tag zu legen, wes Geistes Kind er ist. Trotz Verwilderung und drohender unkräutiger Machtübernahme sah er schön aus, weil er genau so angelegt worden war: wild und dschunglig. Man hatte wohl gestaltet und eingegriffen, aber nachgiebig und großzügig. Dem Garten hatte man dabei immer auch seinen Willen gelassen, ohne die Befürchtung zu hegen, er sänne nur darauf, die Herrschaft an sich zu reißen.

Die Sache beim Gartenlesen ist halt die. Wenn der jeweilige Geist nicht kommentierend mit einem hindurchläuft, könnte man Trugschlüssen verfallen. Nur, weil da eine Blaufichte steht, muss der gärtnernde Mensch nicht zwingend spießig sein. Wer weiß? Vielleicht hatte die Großtante in ihrem Testament verfügt, dass das Haus nur unter der Bedingung vererbt würde, wenn …, es könnte ein Hochzeitsgeschenk gewesen sein oder seine sonstig ganz andere Geschichte haben.
In meinem Garten steht übrigens eine. Ohne Witz.
Der gähnend leere Krater mitten im einen Beet könnte auf Nachlässigkeit hindeuten, auf Lieblosigkeit gar, wüsste man nicht, dass vorgestern der phantasiebegabte Sprössling des Hauses die unbeaufsichtigte halbe Stunde dafür genutzt hatte, seinen edlen Piratenschatz genau dort unter die Erde zu bringen.
Hier gibt es gerade zwei, weil den Velociraptoren die zwei Luxus-Staubbäder offensichtlich nicht genügen.
Die tote Weide – warum lässt man die eigentlich so stehen? – verleitet einen, dem gärtnernden Wesen gänzlich unfähige Unkenntnis zu attestieren. Denn, bringen wir’s auf den einen Punkt: Wer eine Weide totkriegt, dem ist nichts anzuvertrauen. Dass der fähig kenntnisreiche Nachbar das Ding um die Ecke brachte, erschließt sich einem nicht auf Anhieb.
Meine große Salix matsudana „Tortuosa“, genau, das Zeug, dessen Stecklinge austreiben, wenn sie bloß Wasser riechen, ja, die ist über den Jordan gegangen. Die Autopsie ist noch im Gange, tatverdächtigt wird nicht der Nachbar, sondern ein Pilz. Sie steht nur noch da, weil wir auf die Stihl warten. Es soll ihr Jungfernschnitt werden.

Ich liebe es, Menschen durch ihre Gärten kennen zu lernen. Mit ihnen plaudernd hindurchzustreifen, gemeinsam in der Hocke einen speziell aparten Blütenstand zu betrachten, den Erklärungen zu lauschen und währenddessen selbstvergessen ein Blatt zu streicheln, an Blüten zu riechen oder einem Makrotierchen zuzusehen, das geschickt ein geflügeltes Etwas einwickelt.
Und am Ende diesen einen Eindruck zu haben.

Natürlich kommt in jedem Gartenleser irgendwann die Frage hoch: „Hm. Und was ließe sich denn aus meinem Garten herauslesen?“ (Vielleicht nicht „natürlich“. Vielleicht auch nicht bei jedem. Aber bei mir war’s halt so.)

Bislang hatte ich zwar das Glück, einigen Gartenkundigen mein Zuhause zu zeigen, aber nur eine war offenherzig freizüngig. Nie vergessen werde ich ihr: „Aha. Sehr geometrisch. Sehr viereckig, nicht wahr? Zeugt von Kleinkariertheit … irgendwie. … Ups. Hihi und kicher.“
Ein kleines großes bisschen verletzt wies ich dezidiert drauf hin, dass ich sowohl die topographischen Begebenheiten als auch die baulichen Maßnahmen übernommen und es nicht gewagt hatte, das Riesenprojekt auf mich zu nehmen, alles umzustrukturieren: „Wär’s nach mir gegangen, gäb’s hier nur geschwungene Wege und rundliche Beete. So.“ Die Freizüngige konterte ungerührt: „Aha. Darum hast du da unten auch dieses geometrische Kräuterbeet angelegt.“ Erwischt.

Im eigenen Garten zu lesen, kommt in etwa der berühmten Haar-Sumpf-Situation gleich – unnötig das auszuführen, aber ich tu’s jetzt trotzdem: Du kannst dich schlecht an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen.

Überraschenderweise klappt es aber doch ganz passabel, sofern man den einen gewissen Punkt berücksichtigt: Im eigenen Garten hat man nur Augen für Details. Und zwar für die ärgerlichen. Den Blick fürs Ganze hat man spätestens nach dem ersten Spatenstich verloren und das Erfreuliche freut zwar, ist aber auf der Aufmerksamkeits-Prioritätenliste ganz weit unten.
Logo. Wer das Unerfreuliche ausmerzen will, muss sich ihm zuwenden. Mit Herz, Hand und Verstand. (Oder einem Unkrautstecher.)

Geht mal durch euren Garten und stellt euch vor, ihr seid jemand anders.
Nee, anders:
Stellt euch vor, ihr würdet euch zweiteilen. Ihr wärt der Gartenmensch und gleichzeitig der selber gärtnernde Gartenbesucher. So.
Während Ich 1 sich rechtfertigt, auf die Winden da, dort und drüben hinweist, auf die Blühunwilligkeit der einen Clematis („aber sie schlägt sich tapfer, muss ich doch angemerkt haben!“), auf was auch immer, schaut sich Ich 2 einfach mal um.

Solltet ihr dieses Gedankenspiel noch nicht ausprobiert haben, dann … na, tut es einfach mal. Ich sag euch, da werden Augen geöffnet.

Das Ergebnis meines eigenen Gartenlesens hatte mich überrascht:
Verzweifelt versuche ich der Entropie entgegenzuwirken, indem ich mich in kleinkarierten, geometrischen Grundstrukturen bewege. Allein, spätestens ab Juli gebe ich den Kampf auf und lasse erschöpft, ergeben und resigniert wuchern, wie es gerade lustig ist. Ist nicht nur im Garten so, sondern auch im Haushalt.
Oder beim Schreiben.

 

Versehen mit Ziffer 1. Prêt-à-porter-Garten. Massenartikel, der sich an der momentan vorherrschende Mode orientiert. Meist von Dritten ausgeführt. Alleinstellungsmerkmal 2015: Die Tönungsnuance der Kiesel weicht geringfügig von denen etwaiger Nachbarn ab. Oder: Die ausgedehnte Rasenrollfläche ist mittendrin mit etwas Kleinkeckem durchbrochen. Einer Hosta zum Beispiel.

33 Kommentare

  1. Liebe Nicole (für mich bist und bleibst du Nicole und nicht Nick)

    Als 1.: Tolle Homepage – da gibt es viel zu lesen und entdecken. Und da sind wir doch gerade beim Thema „Gartenlesen“.

    Ich lese auch sehr gerne im Garten. In der Hängematte im Schatten liegend, mit einem kühlen Blonden und etwas zum Knabbern an meinen Flanken. Wenn ich dann auch noch einem Gärtner oder einer Gärtnerin bei der Arbeit – oder eben Gartenlesen, wie du es nennst – zuschauen kann, dann ist doch alles perfekt und genau so wie es sein muss. Da kann ich also auch sehr gut ins Träumen kommen…….. ausser wenn, wie damals, ein vierbeiniges, grosses und doch kleines haariges Kuschelmonster meinte, er müsse nun mal eben Brennesselngülle trinken und zeigen, dass sein Magen wohl Gülleresistent ist. Ob er sich jedoch dessen Auswirkung seines Tuns auf seine nahe Umwelt bewusst war – ich wage es nachwievor zu bezweifeln. Weitere Kommentare erübrigen sich hier. Die Erinnerung bleibt. Und das ist doch das, was zählt.

    Ich wünsche Dir nun weiterhin viel Spass in und mit deinem Garten. Ich habe es immer genossen, bei euch im Garten zu sein. Er ist toll. Ihr seid toll. Bis hoffentlich bald wieder.

    Ganz lieber Gruss von einem Balkongärtner, der für die nächste Woche in Bülach noch einen Pflanzengiesser sucht.

    Reto

    1. Mensch, Reto!

      Du bist der erste Kommentator dieser Website und ich sehe es erst jetzt … und dann auch noch so viele liebe Worte! Danke, du bist ein Schatz!

      Beim nächsten Besuch stehen/hängen mindestens ein kühles Blondes, Knabbereien und Hängematte (die ist noch irgendwo aufm Dachboden) für dich bereit und – hochheilig versprochen – dieses Mal ganz sicher ohne Brennesseljauchenfürze.

      Ich bezweifle stark, dass jemand aus Bülach auf diese Website gelangt, geschweige denn noch vor nächster Woche,
      aber ich finde dich auch toll. Und das ist doch das, was zählt. 😉

  2. Die kritische Zweiteilung sollten offenherzig Freizüngige jeden Tag bei sich selbst praktizieren. 😉

    Wieder ein gelungener Beitrag, liebe Nick. Ich wünsche viel Erfolg mit Deinem neuen Blog!

    Tara

  3. 🙂

    Pret-a-porter Garten ist eine sehr freundliche Beschreibung.

    Ich wünsch dir viel Erfolg für die neue Heimat deines Blogs.
    Und bin in Zukunft wahrscheinlich ein bisschen panischer, wenn Gartenbesuch kommt.

    Liebe Grüße
    Eva

  4. Hallo Nick,

    herzlichen Glückwunsch zum neuen Grüntöne-Umfeld:-)

    Deine beiden Ichs werde ich mir als leuchtendes Beispiel beim nächsten Gartenrundgang zu Herzen nehmen.

    Ich freue mich auf weitere Texte:-)

    LG Rosenfee

  5. Hmm leider bin ich nicht der Erste, der dir einen Kommentar schreibt, jedoch sicherlich der Erste deiner ehemaligen Schüler 😀
    Erstens: Tolle Website!
    Zweitens: Die Passage aus „Daheim“ als Einleitung zur „Über Nick“-Seite ist einfach megatoll!
    Und letztlich: Ich hab immer noch genauso viel Spass, deine Texte zu lesen, obwohl ich tja – ehrlich zugegeben – noch nicht immer alles 100% klar verstehe! Aber das klappt sicherlich bald!
    NB: Es ist für mich eine grossartige Ehre, sagen zu dürfen, ich sei dein Schüler (gewesen)! Die ehemalige Lehrerin hat jetzt ihre eigene Website 🙂
    PS: Das Partizip ist nicht unbedingt notwendig, denn ich bin mir sicher, ich werde von Dir noch Vieles lernen können!
    LG, P.

  6. Herrlicher Artikel (‚Gärten lügen nicht‘ liegt mir Kitschsüchtigem natürlich besonders), und dass Involvierte nur Details und nicht das Ganze sehen, ist absolut richtig.

    Gratuliere herzlich zum Schritt in die Selbstständigkeit und wünsche Allerbestes für die Zukunft.

    Liebe Grüße
    Thomas

    PS: Danke nochmals, dass du so lange die so unterhaltsamen Grüntöne bei uns eingestellt hast.

    1. Ja, Thomas, es war gaaaaanz schrecklich und schlimm, die Texte bei euch einzustellen … eine Zumutung war das!

      Zwinkergruss 😉

  7. Nick! Gerade erst entdeckt. Herrlich was du schreibst und Garten lesen ist cool. Obwohl nicht immer zutreffend. Manchmal ist es umständehalber, dass man einen Garten so anlegen muss, wie es dem eigentlichen Charakter nicht entspricht. So sind die „neuen‘ 750 qm ganz anders angelegt, als sie meinem Naturel entsprechen. Spiessig quadratisch praktisch und gut für mich und meinen Rücken( viel kann ich sitzend auf einem Hockerchen bewältigen) eventuell später- doch hoffentlich nie- rollatortauglich, das Ding steht als Scherzartikel schon seit meinem 60 ! auf dem Dachboden….. Die ersten 750 qm sehen anders aus und entwickeln sich gerade zum Dsungel, wo ich nächstens mal wirklich mit der Säge und der Machete durch muss. Unkrautfrei, nee, ich habs aufgegeben mit einem ausfallenden Grasdeich hinter mir in dem alles wächst was der grosse Manitu als Strafe für eifrige Gärtner erfunden hat!!! Ich freue mich über unvollkommene Gärten, machen sie mir kein schlechtes Gewissen, ich freue mich über sogenannte“ Dreckecken“ im Garten, so brauche ich mich über meine nicht zu schämen. Ich freue mich bei anderen auch über noch herumstehende Töpfe mit Pflanzen die nötig ein gepflanzt werden müssen und bei deren Anblick man sagt: Oh ja , das mache ich gleich morgen und das ca 14 Tage lang ( grins). Ich geniesse die Unvollkommenheit Anderer, macht sie meine doch so herrlich akteptabel. Ich ziehe den Hut vor Menschen mit perfekt gepflegten Gärten, aber dafür ist meiner zu gross und den Gärtner will ich auch nicht dauernd im Garten haben( vor allem nicht meiner, der ist viel zu attraktiv!!!! nun sollten hier 1000 Grinsesmilies kommen!Ich bin zwar alt, aber noch nicht blind!!) Also „Gartenlesen“ kann genau so Erfolg haben, wie Kaffeesatzlesen, oder es muss schon ein Extremgarten sein. Mein neues Gartenteil ist wie auf dem Reissbrett entworfen, inklusive Kräuterbeet. Ich selbst als Person aber allerminst, ausser wenn ich zu mir sage: nun“reiss“dich aber mal zusammen, Irisfool .( grins)

    1. Also, das Lesen klappt ja nur, wenn der gärtnernde Mensch erklären kann – was du ja gerade getan hast (eigentlich müsstest du das kopieren und jedem gärtnernden Besucher vor dem Gartentor in die Hand drücken ;-D).
      Und: Ein perfekt gepflegter Garten heisst nicht automatisch, dass sein Mensch ein perfektes, wunderbares, herrliches Geschöpf ist … du verstehst. 🙂

  8. Ohhh Nicki :-)….einfach klasse :-*
    Warum erkenn ich mich da immer wieder in deinen Texten?

    Ich gehör auch zu denen, die ständig drauf hinweisen, das dieses und jenes nicht gemacht wurde und man möchte da bitte nicht so hinschauen. Und eckige Beete hab ich auch…grummel, auch wenn ich mir ständig vornehme, das zu ändern

    Leider darf ich ja nicht komplett selbstbestimmen, die Frau Mama hat da dann noch ein Wörtchen mitzureden und wenn ich ihre Rosenbeete abrunden würde, dann gibts was auf die Glocke.
    Da werden selbst die Primeln im Frühjahr mit dem Lineal gepflanzt. Schön grad in eine Reihe.

    Und du weißt, die Einladung steht immer noch ;-). Dann darfst du dir ein eigenes Bild von meiner grünen Hölle machen

    LG
    Bienchen-Blümchen 😀

    1. Kauf der Mama doch einfach einen halbrunden Lineal, du definitiv nicht kleinkariertes Blümchen (keine Fritillaria meleagris also ;-)).
      Die Einladung kontere ich doch prompt mit eben einer solchen. Mal schauen, wer’s zuerst schafft. 🙂

  9. das wäre es doch…..ein halbrundes Lineal 😀 und ich mag Schachbrettblumen bzw. wir sagen ja eher Kibitzeier. Der Name Schachbrettblume ist mir irgendwie nicht geläufig.

    Tja, wir werden sehen, wer es zuerst schafft. Bald bin ich wenigstens schon mal dicht dran

  10. Seit gestern abend frage ich mich, was eine ungepflegt Ligusterhecke wohl über die Gärtnerin aussagt. Deine Schuld! 🙁

        1. Die Wahrheit ist…die Erbsen würden nicht keimen, weil einfach zu trocken

          tztztz….das ich das mal sagen würde *seufzt*

  11. Ich hatte anläßlich eines Gartenbesuchs das letzte meiner drei Verschenkbüchlein der Grüntöne mitgenommen.
    Drei Tage später, zu unpassender Zeit, ein Anruf. „Nee, Du mußt nicht zurück rufen. Das einzige was ich wollte, sagen wie toll die Geschichten in dem kleinen Buch sind!“

    Ich finde, das gebe ich einfach mal so weiter. Auch die Erkenntnis, daß man sich nicht getäuscht hat, manche Menschen (die Beschenkte) sehr schnell sympatisch zu finden, sich auf einer Wellenlänge befindlich halt.

    Ich danke für die Freude jeweils beim Lesen und freue mich auf noch viel mehr.

  12. Es sind präzis sieben Wochen her, seit dein „Gartenlesen“- Blog-Text aufgeschaltet wurde. Und ich habe ihn sich selbst überlassen, genau so wie meinen Garten, den mit dir zu durchstreifen, mir wie daselbst beschrieben, im Frühsommer beschieden war. Als ich nun doch endlich Zeit fand, meinen Grüntöne-Hunger zu stillen, juckte mir das Herz über die Stimmigkeiten, die ich da zu lesen bekam. Und ich errötete. Zwar hatte ich bei deinem Expertinnengang wahrhaftig meine Beschämung über das Eine und das Andere gestanden, etwas Schuldbewusstsein eingeräumt (man ist schliesslich gut erzogen), ohne dass du das eingefordert hättest – aber vor allem habe ich den Zuspruch genossen und den Glanz in deinen Augen, wenn du etwas Nicht-Ganz-Alltägliches entdecktest. Bewundert habe ich, mit welcher Zärtlichkeit du zwei Schattenhungrige von ihren Sonnenplätzen erlöst und standortgerecht in die Erde gebettet hast. Als Meisterleistung ist mir erschienen, wie du es geschafft hast, den unterschiedlichen Wertgefügen der zwei Werktätigen, die mit dem Gartenreich beschäftigt sind, gerecht zu werden: Ich bekam meine Dosis Wertschätzung für die Wildheit der Anlage, mein Mitgärtner, der’s gern cleaner und lockerer hätte, bekam auch Recht. Er wiederholt nun täglich, dass „Häfligers Gartenhände“ betont habe, Pflanzen hätten es ganz und gar ungern, wenn man sie beim Vorbeigehen dauernd streife, ja bedrängen müsse, weil alles viel zu wildwüchsig und zu dicht sei. (Stimmt. Man kommt nicht mehr ans Wasserfass ran, seit die Kürbisse wild in alle Gartenwege ranken, und die Zucchettipflanze hat Mehltau, seit der ausgewachsene Cicorino rosso ihn überwachsen hat und allmorgendlich sein unverzichtbares Wegwartenzauberblau erstrahlen lässt.)
    Also: Wir hatten bei deiner Beratungsrunde den perfekten Balanceakt einer gewiegten Kommunikatorin erlebt, welche die ungezählten Garten-relevanten Mikroehekrisen nicht um eine einzige vermehren wollte! Gelungen! Mein Mitgärtner frisst begeistert aus der „Gartenhand“. Sonst hätte er die Pläne und Empfehlungen für ein Hochbeet nicht in kürzerster Zeit in die Tat um-, respektive in massivem Holz aufs Zwiebelbeet des vergangenen Jahres gesetzt. Da ist Wundersames vor sich gegangen…
    Nachdem zwei weitere Besuche von Gartenhände Häfliger hinter mir liegen, beginnt mir zu schwanen, was „Gartenlesen“ mit uns „Gelesenen“ macht.
    Wenige Stunden, nachdem du jeweils unsern Garten verlassen hast, überfällt mich eine Energie der besonderen Art. Nicht weil ich muss, nicht weil es (eigentlich schon längst) unumgänglich geworden ist, lange ich jätend zu, sondern in einer ganz neuen Verbundenheit mit der grünen Wildnis. Hast du nicht eben diese gelobt, ihren Zauber gesehen und ihre Kraft beschworen? Vollhändig packe ich dann zu – spitzfingeriges Gräsleinzupfen ist mir seit meiner Kindheit, wo ich Mamas Kieswege zu jäten hatte, verhasst geblieben – gerate aber erstaunlicherweise nicht in jene aggressive Selektionsverfassung, die ich früher an mir kannte. Im Zwiegespräch mit Nutz- und „Weniger-Nutzkraut“ komme ich zu völlig neuen Sichtweisen.
    So gab mir gestern der Giersch endlich einmal durch, was Sache ist: Nachdem er sich nun 35 Jahre all meinen Bemühungen, ihn mit innerem Fluchen und handfester Hackerei an seine Plätze zu verweisen, erfolgreich widersetzt hat, hielt er mir entgegen – dass er schon viel länger als ich hier zu Hause sei (hatte ich nie bedacht, so geartete Ehrfurcht vor dem „Alter“), dass er schon eine ganze Reihe feindlicher Weiber in eben diesem alten Kleinbauerngarten überlebt habe und schliesslich jede in ihrer Hinfälligkeit – was dann jeweils zu seiner Chance geworden war – resignieren gesehen hätte. Kaum eine hätte seinen Wert erkannt, ihn, der (laut Internet) auch „Zipperleinkraut“ heisse und nichts anderes vorhabe, als meinen zukünftigen Gichtschüben und Arthrosebeschwerden so entgegenzuwirken, dass ich mich noch lange im Garten bewegen könnte, wenn ich es doch nur verstünde, ihn jeweils zeitig und regelmässig für einen Spinat zu ernten, was er sich gerne gefallen liesse.
    Vielleicht müsstest du, Nick, alias „Gartenhände“, deine Kunst als neues Angebot, etwa als „systemische Gartenpsychointervention“, auf dem Therapiemarkt positionieren. Denn: Gartenlesen, wie du siehst, verschönert nicht nur Gärten, sondern verändert Menschen.
    Sonntagmorgengartengruss – auch an den Nichtgärtner und alle Mitbewohner/innen!
    azu

  13. In Gartenlesen wuchert der Humor nicht. Im Gegenteil, er ist schön zurecht gestutzt und in feinen Details verborgen, so dass innerlich sanft gelacht und geschmunzelt wird. Die Komik spriesst geordnet und ohne unnötigen Beiwörter zwischen den Zeilen.

    Ich finde den einen Kontrast sehr einzigartig (und darum sticht er für mich heraus), den zwischen dem grossen sportlichem Prestige-Auto, einem schönen technischen Accessoire ohne Leben, und der kleinen Glasflügelzikade, einem ästhetischen, lebendigen Insekt, dass sehr wahrscheinlich im Garten herum zirpt. Vielleicht erwuchs der Vergleich aus den Glasflügeln, die kleine Welten im Garten vorbeihuschend spiegeln, und der Windschutzscheibe des Sportwagens, auf welche Sonnenlicht und belebte Strassenpromenaden gleissend und in Bewegung projiziert werden. Beide sind aerodynamisch und während das eine durch winzige Luftströme schwirrt, schneidet das Andere durch die widerspenstige Luft über dem an heissen Sommertagen brennenden Asphalt.

    Oder das Makrotierchen, es bleibt schleierhaft und offenbart gleichzeitig einen geheimnisvollen Gegensatz zwischen dem Makro und dem -chen, der darauf wartet gelüftet zu werden. Erst beim dritten Lesen habe ich es entschlüsseln können. Hier leuchtest du vielleicht das Schicksal der Glasflügelzikade („geflügeltes Etwas“) aus. Dann will ich mir aber nicht vorstellen, was dem Boliden blüht.

    Du gräbst in inhaltlich Tiefe wenn du ansprichst, dass der Überblick verloren geht wenn man selber mitten in der Tat ist und sich völlig im Detail verliert. Du siehst sozusagen den Garten vor lauter Pflanzen nicht mehr. Das passiert wirklich oft, wenn in einem bestimmten Fachbereich so tief vorgestossen wird, dass der Überblick schwindet und nur noch Einzelheiten die ganze Sicht ausfüllen. Du ergründest dies auf erfrischende Weise, mit einem Gedankenexperiment.

    Anfangs Texts säst du Spannung mit dem Begriff prêt-à-porter Gärten, diese Spannung wächst an, treibt aus und blüht bis am Ende die süsse Auflösung fruchtet.

    1. Es ist mir immer wieder ein Wunder, wie mehr oder weniger hingeworfene Buchstaben zu wirken vermögen.
      Je nachdem, wer es liest, spriesst ganz anderes hervor.

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