Pampige Musen

Meine Muse sitzt mir auf der rechten Schulter und ist stinkesauer. Zu verdenken ist es ihr nicht. Gerade eben schauten wir mit hoffnungsvoll zugekniffenen Augen in die verheißungsvolle Wolkendecke über uns, als ein Tröpfchen auf ihre schweißnasse Stirn klatschte. Blanker hätte das da oben nicht höhnen können.
Es ist, wie es ist: Wir beide wissen zwischen Ätschibätsch und der Prelude eines erquickenden Landregens zu unterscheiden.

Ebenfalls rechts neben mir, auch auf Ohrenhöhe, ist in diesem Moment eine der Velaciraptorinnen am Eierlegen. Ich weiß nicht, ob nur meine Mädels dabei solche ächzend stöhnende Geräusche machen, aber als ich die zum ersten Mal vernommen hatte, ergriff mich ein schuldiges Mitleid, das mir jede Eierspeise verleiden wollte, wäre ich auch nur ansatzweise zur Veganerin geboren.
Aber die Eier sind nun mal da. Wie dieses eben eine geborene. Neugierig schaute sie es an, indem sie unter ihrem Bauch und zwischen den Beinen hindurch guckte, sachte draufpickte, es in die Ecke schubste, dann überlegte, wie sie nun aus dem Regal rausflattern könnte, und das weiße Rund seinem Schicksal überließ.
Ich habe Fremdlegeraptoren. Gefiederte Osterhasen sozusagen. Ins Legenest begibt man sich hin und wieder, aber viel mehr Spaß macht es, die Überraschungen unter dem schützenden Laub von Kartoffeln oder im hellsten Abteil meines Gartenregals auf dem blanken Holzboden zu legen. Oder an Stellen, die eines veritablen Osterhasen würdig sind; da nämlich, wo bloß Hunde oder Krähen erschnüffelnd es erspähen.
Was ich eigentlich sagen wollte, ist dies: Ich esse weiterhin Eier, die aber mit dankbarem
Respekt.

Die Muse stößt mir ihren spitzen Ellenbogen in die Schläfe. „Hör auf mit diesem moralinsauren Quatsch und komm zum Thema zurück. Eier! Wer bitte interessiert sich für Eier?“

Seit ich diese Worte geschrieben hatte, fiel – quod erat demonstrandum – kein weiterer Tropfen mehr, die Wolkendecke hat sich vorhersagbar aufgelöst und die Sonne knallt uns ins Hirn. Wie gehabt.
Wir sind – möchte ich hintennach und vorausschicken – sehr kulant, was das Wetter und seine Kapriolen betrifft. Eigentlich. Aber jetzt ist genug Heu unten, im wahrsten Sinne des schweizerischen Wortes.
Wir beide wollen Wasser. Von oben.

Dass die Muse so rumzickt, ist mir übrigens und ehrlich gesagt schleierhaft. Wer schleppt schon seit Wochen Kannen und bleibt mit dem Schlauch regelmäßig am Rosenbogen, an der einen Waschbetontreppenecke und an der dritten, mühsam aufgepäppelten Salvia azurea hängen? Wer hat vor einer Woche versucht, Stauden zu setzen und hätte dafür einen Pickel benötigt? Wessen verfluchte Idee war es nochmal, just in diesem Frühjahr zig Bereiche neu oder umzugestalten?

Heute lag ein Zettel in unserem Briefkasten. Die Gemeinde bittet die Leute (also uns, dazu würde dann auch ich gehören), aufgrund der anhaltenden Trockenheit ans Wassersparen zu denken und folgende Tätigkeiten zu unterlassen (flach atmend ratterte ich die Aufzählung durch):

  • Bewässern von Rasenflächen
  • Auto waschen
  • Auffüllen von Schwimmbädern

(und wischte mir mit dem Handrücken über die Stirn. Erleichtert.)
Es käme mir nicht in den Sinn, meine Rasenflächen irgendwie speziell zu bedenken. Um ganz ehrlich zu sein, bin ich dieser „anhaltenden Trockenheit“ sogar verbunden. Ans letzte Rasenmähen kann ich mich nur vage erinnern und das Knister-Knuschper-Geräusch, wenn ich ihn wandelnd betrete, verheißt weitere Wochen voller Untätigkeit.
Mein Auto liebe ich heiß, aber es waschen, staubsaugen oder föhnen? Nee du. Dafür hat man – irgendwann mal – Regen und Wind.
Ein Schwimmbad befindet sich nicht in meinem Garten, auch mehrere nicht.
Und auf dem Flyer – versehen mit einem Schwarz-Weiß-Foto, auf dem man mit viel Fantasie eine Wasserfläche erkennen kann, die von oben betropft wird …. von einem rätselhaften vertikalen Gegenstand, der höchstens als stylisher Brunnenwasserhahn interpretiert werden kann (ich habe keinen Brunnen, man verzeihe mir) – … auf diesem Flyer steht dann: „Wir danken für Ihr Verständnis.“

Hallo, Leute, ich habe zu danken! Ungestraft und besten Gewissens darf ich weiterhin meine kostbaren Stauden und selbst gesäten Gemüse wässern. Freude herrscht!

Der Nichtgärtner hat die Zeilen bisher gelesen, griff nach dem zweitletzten Abschnitt zum Gemeindezettelflyer auf dem Gartentisch, schaute aufs Bild und sagte trocken: „Das ist ein Tropfen.“
„Und das vertikale Ding da oben?“
„Das ist die Verlängerung vom Tropfen.“
Aha. (Ich habe trotzdem keinen Brunnen.)

Kaum hatte ich „Aha“ gedacht, ergab sich ein Gespräch mit der liebsten Nachbarin: „Du, Nigg, hast du den Gemeindezettel gesehen?“ Ich lehnte mich mit vollem Lebendgewicht aufs rissig-trockene Holzgeländer, hörte es stöhnend ächzen, richtete mich wieder auf und nickte.
Sie: „Ha! Die haben nichts von Bodendeckern geschrieben! Gottseidank! Dann kann ich meine also noch weiter gießen.“
Ich grinste breit in der vollen, untergehenden Sonne, streifte kurz ihre Waldsteinia-Flächen und sagte das, was ich oben geschrieben hatte.
Nach weiterem belangvollem Smalltalk setzte ich mich wieder an diesen Tisch und las, was ich bisher geschrieben hatte.

Und da rief mein Vater an. Aus dem östlichen Teil des Landes. „Die Wiesen sind inzwischen alle rot.“ Vor zwei Monaten hatte ich noch gelacht über diese seine Farbverirrung, aber seitdem meine Wiesen inzwischen auch so daherkommen, schäme ich mich großlaut. „Ja. Du hattest übrigens recht. Sie sind rot. Nicht braun. Sorry.“
Und dann sprachen wir vor allem über Velociraptoren und Eier.

Verflucht. Irgendwie will es nicht mehr zum Schreiben kommen. Das hat man von pampigen Musen auf der rechten Schulter.
Ich las gerade die bisherigen Zeilen, schüttelte den Kopf wieder und wieder und meinte zum Nichtgärtner, der mit neu aufgefülltem Glas rauskam: „Das kann man nicht lesen. Schlimm!“

* * * * *

Am nächsten Morgen kam das herbeiersehnte Gewitter. So, wie man sich ein Sommergewitter wünscht, wie damals als Kind: Auf dem Nachhauseweg in der drückenden Hitze, die Füße kleben in den Sandalen, kein Mensch ist zu sehen, nur einmal fährt ein Auto vorbei, stinkend und laut. Und dann war plötzlich Stille, als hätte die ganze Welt den Atem angehalten. Ich blieb verdutzt stehen und versuchte, für die Welt zu atmen, als die ersten Tropfen fielen. Warme, dicke, weiche Tropfen. Auf meine Schulter einer, auf meinen rechten großen Zeh, auf die Turntasche, die ich trug, ich streckte meine Hand aus, auf meine Handfläche wollte keiner fallen. Den Mund weit offen und mit rausgestreckter Zunge versuchte ich Regentropfen aufzufangen, kriegte einen ins Auge, in die Nase, und dann schüttete es hemmungslos runter. Lachend blieb ich stehen, drehte mich im Kreis, sog diesen unnachahmlichen, wundervollen Geosmin-Geruch ein und erinnerte mich an Gene Kelly.
Weit entfernt donnerte es, noch stärker wurde der Regen. Ich begann zu rennen – mit kleinen Stepeinlagen dazwischen – ein pitschnasser Radfahrer fuhr mir entgegen und grinste breit, rechts und links der Straße flogen Türen auf, Menschen rannten lachend raus und holten rein, was nicht hätte nass werden dürfen (vielleicht guckten manche auch griesgrämig, aber man sieht ja bekanntlich, was man denkt), ich hüpfte von Pfütze zu Pfütze und bevor mir kalt wurde, war ich zu Hause. Während meine Mutter mir die Haare mit einem Frotteetuch trockenrieb, summte ich leise: „ Dudeldu dudidudel dudidududidudi, aim singin in de wein …“

So, wie man sich ein Sommergewitter wünscht. Als inzwischen Gärtnerin und doch noch tief drinnen Kind. Das Geosmin riecht immer noch haargenau so, diese innere, unbändige Freude, wenn die ersten Tropfen fallen, ist unverändert … an Gene Kelly habe ich nicht gedacht, eher an Mrs. Robert Brydon, Prof. Anton Kippenberg, Dr. Jamain oder Philippe Vapelle.* Getanzt habe ich nicht. Langsamen, genießerischen Schrittes ging ich durch den Garten und ließ mich tropfenweise nassregnen, bis aus den Tropfen ein tropisch weicher Schauer wurde. Mit einer Tasse Kaffee setzte ich mich auf die Bank unters Vordach und sah dem Wasser zu, wie es vom Himmel fiel. Es donnerte weit entfernt. So stark, dass die Fensterscheiben hinter mir klirrend erzitterten. Ungerührt und unbeweglich standen die Velociraptoren um meine Füße rum, der Hund verkroch sich unter der Bank an die Hauswand und gab sich seiner Angst hin.

Darum kümmern konnte ich mich nicht (es hätte eh nichts genutzt, hätte ich es getan), zu gefesselt war ich von den Gießkünsten der Natur. „So, Nick, so würde man richtig gießen. Nicht nur punktuell, nicht mit dieser scharfen Brause, keine Ungeduld.“
Wenn mir noch jemand beibringen würde, wie ich während des Gießens Wolken vor die Sonne schieben könnte, dann könnte ich mir sogar vorstellen, mich bereit zu erklären, täglich einen halben Tag zu gießen. Wenn sich das denn mit anderen Lebensaufgaben nicht beißen täte.

Ja, diese Trockenheit machte mich mürbe. Und ja, einiges ist ihr erlegen. Mein Ilex „Little Rascal“ zum Beispiel, an den ich die letzten Wochen schlicht nicht gedacht hatte, es aber hätte tun müssen, weil er erst seit letztem Herbst hier weilt. Sein Dahinscheiden schmerzt mich sehr, alleine schon wegen des herrlichen Namens – so einen kleinen Strolch muss man doch einfach liebhaben.
(Ich bitte um eine kurze Schweigeminute für den lieben Kerl.)
Aber sie hielt mir auch einen Spiegel vors schreibende Gärtnergesicht.

Unwirsche Umstände werfen einen auf sich selber zurück. Da ist nichts mehr mit schönen Worten, geschweige denn mit irgendwelchen geistigen Gedanken. Der Wortschatz reduziert sich auf das Mindestmaß „muss“, „dringend“ und „warum ich?“ Und während man diese drei Gedanken durchflitzen lässt, schämt man sich derer. Weil luxuriös, die Problematik. Und vor allem selbstgemacht.
Als ob ich angewiesen wäre auf die Astilbe japonica „Snowdrift“. (Die hatte ich eben mal so gerettet, als ich vorletzte Woche auf die kluge Idee gekommen war, mich mal nach ihrem Befinden zu erkundigen.) Oder auf meine Edelsüß-Paprikas. Oder auf die einzige Clematis, die sich dazu durchgerungen hatte, bei mir zu überleben.

Man regt sich so sehr auf, dass man nicht mal mehr schreiben kann. Auch nicht denkend. Überhaupt ist jedes Denken ausgeschaltet, denn selbst ein einzelliges Bodenlebewesen würde mitkriegen, dass …
Aber hallo! Wo sind die Schnecken, wo? Und, wenn wir schon dabei sind, das Unkraut? Sogar die zig Laufmeter an Hecke verharren in einer gnädigen Starre. Das nicht müssende Rasenmähen will doppelt angeführt werden. Und die Krautfäule sucht verzweifelt nach feuchten Sporenplätzen.

Ja, auch Ungemach hat seine Vorteile. Zusammengerechnet wäre der Aufwand letztlich in etwa derselbe, wenn nicht gar größer.
Wir schaffen das. Wir kriegen das hin. Der Garten und ich. Doch, doch.
Und bis dahin übe ich mich in Geduld (beim Schlauchwässern), Demut (nichts zeigt dem Menschen besser, dass er klitz und klein ist, als das Wetter), Fatalismus (der Strolch und seine Leidensgenossen strolchen halt nun im Staudenhimmel rum) und die unbändige Vorfreude aufs nächste Gewitter. Dann mach ich wieder mal den Gene Kelly. Hab ich mir fest vorgenommen.

Die Muse findet es offensichtlich fesselnder, dem Hund zuzuschauen, der den Velociraptoren die erbeutete, unreife Feige direkt unter ihren Schnäbeln wegstibitzt hatte und nun vor ihren entsetzten Augen betont langsam drauf rumkaut.
Nein, ich habe keine Hochfliege-Raptoren, sondern einen Tief-Liegefeigenbaum. Jedenfalls liegen einige seiner jungen Triebe schlapp auf dem roten Rasen.
Nichtgärtner:
„Ich will mich ja nicht versündigen (das sagt er immer, wenn er gedenkt, meine gärtnerische Arbeit zu kritisieren, aber hier passte es wündervöllst), aber mich deuchte, das sei erst der Fall, seit du begonnen hast, ihn zu wässern.“
Mag sein.

What a glorious feeling, I’m happy again.

 

 

*Clematis. Aster. Rose. Geranium.

17 Kommentare

    1. Freu.

      … I’m laughing at clouds, so dark up above …
      Wenn man das Liebeszeugs aus dem Lied rausnimmt, könnte es glatt als Gärtnerhymne an den Regen durchgehen, nicht wahr?

  1. Ui, da ist mir doch ein Leu entgangen. Lach….dumm gelaufen und gefährlich. Sie sind ja nicht eben dafür berühmt es freundlich lächelnd zu ignorieren, wenn man sie ignoriert!!! Aber und überhaupt: Ich liebe diesen Begriff bzw dieses Wort. Wann las ich es zuerst und wusste gar nicht, was gemeint war? In Kinderbüchern, Aesop‘ schen Fabeln oder als Teenager, wenn es in den Geschichten um den jungen Thronfolger von Frankreich oder England ging? Der junge Leu!
    Ach ja, ich glaube, es war eine moderne Version des Mabinogion: Die vier Zweige des Mabinogi. E. Walton…..wo ist das Buch eigentlich? Müsste ich auch mal wieder lesen….
    Ach, ja, ichbin mal wieder so zerstreut:wir sind ja schon längst bei den pampigen Musen. Der einen pampigen. Meine hat sich schon längst verabschiedet und verbringt den Sommer in der Karibik…hin und wieder schickt sie mir eine Postkarte. Ich ihr nicht. Immer diese Kopfschmerzen! Und nie ist das Ding zufrieden. Regt sich immer über meine Abschweifungen auf…und meine Langatmigkeit…..
    Tststs
    …worüber sprachen wir gerade?

    Ach ja, es ging um den herrlichen Text über pampige Musen von Nick 🙂
    Danke Dir, Nick.. Ich habe herrlich gelacht beim Lesen!!!

    1. „… hin und wieder schickt sie mir eine Postkarte. Ich ihr nicht.“
      *gackerwieher*
      Meiner würde ich zeigen, wo der Hammer hängt, wenn die meinen täte, sie müsse in Ferien. Ferien! Pah. Besonders jetzt, wo sie wieder wöchentlich zu ackern hat. Wobei … ich kann ja nicht ohne sie, während du ganz prima alleine zurechtkommst, wie hier einmal mehr bewiesen. 🙂

      1. Ach, sie und ich schieden in gegenseitigen und freundlichen Einvernehmen 🙂 Spätere Wiederaufnahme der Romanze nicht ausgeschlossen 😉

      2. Deine Energie und Kreativität bewundere ich ja immer wieder…und Fröhlich lächeln kannst du dann auch noch.
        Ne ne, Hut ab, aus dem Rheinland, Nick!!!!

        Was mir beim Lesen mal wieder durch den Kopf schoss: Wie anders es doch hier aussieht. 🙂 Rheinlandklima. Seit Gefühlten drei Wochen mal wieder typisches Waschküchenwetter. Die Luft fühlt sich an wie Gelee, die Knochen wie nasses Leder. Bewegen??? Besser nicht. Da liege ich also elegisch auf dem Sofa- die Kameliendame tät vor Neid die Galle kochen- wende mein Haupt müde dem Fenster zu…und überlege: Soll ich nun das Fenster schließen? Bonner Innenstadt. Die vorbeiziehenden Busse lassen das Haus erbeben und stets an das Sprichwort „auf Sand gebaut“ mahnend erinnern (sprachs auf dem Sofa im vierten Stock Altbau)…der Blick des Kamelienmännchens umflort sich kurzfristig…das laute Sprachenbabel von der Strasse hingegen lässt das Haupt dann wieder dem offenen Fenster sich zuwenden. Flachenklirren, Glas zerbricht, tausend fremde Stimmen sprechen. Lachen, Geschrei und Streit…dazwischen Fahrradklingeln. „Lebendige Mo…äh..Nordstadt 🙂
        Eine Whatsappnachricht: „…du bist bestimmt in Deinem herrlichen Garten!“

        Von Ferne dämmert mir, da wäre mal was gewesen…irgendwann, irgendwo…so um den späten Frühling herum. Irgendwann halt bevor ich wieder nachhause kam unabgeschlossne mir das Elend nicht anzusehen…und das Sofa da war.
        Ja, ich bin mir fast sicher,dass da mal so etwas wie ein Garten war.
        Also raffe ich mich auf um mal nach zu schauen.
        Kein Aufzug. Unten im Hof würde ich ja gerne Luft holen, aber die Luft ist irgendeinem halbstofflichem Brodem gewichen. Macht nichts….bis in den Garten schafft man es ja vielleicht noch. Man hätte sich vielleicht Kleider zum Wechseln mitnehmen sollen.Es ist ja doch recht schwül und drückend…und nach den drei Schritten wäre eine Dusche wirklich schön.
        Im Garten blickt man sich interessiert um. Ja, doch, das hat man schon mal gesehen. Sah da nur irgendwie anders aus. Ist jetzt doch etwas….natürlicher geworden….oder so ähnlich. Stolz nicke ich mit dem Kopf: Nein, das ist KEIN künstlicher Ziergarten!!!! Und die Tiere haben wirklich ihre Ruhe. Das kann man nicht anders sagen!! Während die eine Hälfte meines Gehirnes panisch Fluchtmöglichkeiten ersinnt…man könnte nach Afrika fliehen und dort Missionar werden und das Elend in einem Kochtopf büssen und vergessen… ist die andere Gehirnhälfte damit beschäftigt Listen aufzustellen und die anstehenden Arbeiten alphabetisch zu sortieren. Dringlich sindsie schliesslich alle. Das Gehirn zurücklassend wandert der gärtnerische Teil meines Wesens in den Garten und beginnt Ackerwinden auszureißen….dabei zerstöre ich das interessante Experiment, ob sich wohl letztlich persische Minze oder doch Ackerwinde als alleinige überlebende Pflanze durchsetzen wird.
        Hier lässt der Gärtnerteil in mir rasch nach und alles verlangsamt sich. Das Plätschern des Wassers, ein leichter aufsteigender Duft von Wasserminze, flirrendes Azurlau von einerkleinen Libelle, tanzende grüne Schatten auf dem Wasserspiegel. Ein Sonnenstrahl lässt irgendwo bunte Funken aus Glaskristallen durch den Garten flirren…der wandernde Blick bleibt an einer längst verstorben gedachten Rose hängen, die plötzlich blüht. Wunderschön.
        Am Ende ist nichts gemacht worden. Nein,ein Gärtner werde ich nie!
        Und mich kurz halten inmeinenBeschreibungen wohl auch nie!
        Danke, Nick, dass Du mal wieder zum Nachdenken anregst!!! (..und man auf Deine Texte antworten darf!!!)

        1. Danke, dass man auf meine Texte antworten darf???
          Der ist gut. Der ist echt gut.

          Und wenn du kein Gärtner bist, dann sind die heutigen 32 Grad winterlich.

          1. Ich erlaube dir übrigens ausdrücklich kleinere Korrekturen vorzunehmen (anders gesagt, ich bettele gerade zu darum)!
            Ich tippe ja so gedankenlos am iPad herunter, träume von den azurblauen, funkelnden Libellen..habe sie schwärmerisch vor Augen und lächele gedankenlos vor mich hin.
            … Und dann glotzen die mich im Text nach dem Absenden „azurlau“ an.

          2. So Tippfehler haben doch was Besonderes, oder? Was glaubst du, in wie vielen Grüntöne-Texten sich Tippfehler als „einfallsreicher Neologismus“ herausgestellt haben? *grins*
            Falls du trotzdem ab sofort deine Kommentare korrigiert haben möchtest, dann kann ich das tun, wenn auch ungerne. In diesem Falle: Bitte persönliche Mail.

  2. 🙂
    Wie jetzt, Du möchtest nicht die Fehler in jedem Posting rot anstreichen, korrigieren und Sternchen verteilen???? Nicht mal Noten vergeben?….
    😉

  3. Danke für diese Nachtlektüre!
    Die Beschreibungen des gemeinsamen Lebens mit den „Fremdlegeraptoren“ sind genial! Und überhaupt – diese GedankenHüpfer und GedankenVerflechtungen – herrlich 😉

  4. @ rorobonn: „azurlau“ ist klasse – paßt genau zur trägemachenden zermürbenden Sommerhitze, die ich Immerfrierende doch so genossen habe.

    @Nick (Nigg) – ich schmeiß mich wech!! Kommd dei Nachbarin aus Frangn?

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