Bodensätze

Momentan liegt er draußen und ist gefroren. Mein Einer, der mir genau so wenig gehört wie der Planet, auf dem er liegt. Trotzdem. Er ist meiner und bleibt das auch genau so lange, wie er sich in meinem Garten befindet – woran sich mit aller Wahrscheinlichkeit nicht viel ändern wird. Ich liebe ihn.
So sehr, dass ich mich vor nicht Langem dabei beobachtete, wie erbostes Entsetzen von mir Besitz ergriff, als ein Besucher die Asche seiner Zigarette zwar elegant, aber unerhört mitten ins Beet schnipste. Diese respektlose Unbekümmertheit! Diese Entweihung! Ich war nahe daran, hörbar zu japsen, konnte mich aber im letzten Moment besinnen. Man will nicht schrulliger wirken, als man eh schon ist.

Dabei fing das alles ganz anders an. Der gegebene Anlass wollte es, dass mir damals beim abendlichen Fernsehen und dabei Eincremen der wunden Grabehände mit einem Male auffiel, was mir zuvor schleierhafterweise entgangen war: Die schaufeln da in der Kiste unentwegt Löcher. Unentwegt! Und nicht nur in Gartensendungen oder Krimis. Man glaubt gar nicht, was da alles an einem einzigen Fernsehabend in Filmen und Serien ver- und ausgebuddelt wird. Verschiedene Haustiere, Schatzkisten, Artefakte, Liebesbriefe, Hinweise für das zeitreisende Ich, Vampire, Motorräder, schneidendes Besteck, blutbefleckte Kleider, Menschen und hin und wieder Pflanzen – um nur Einiges davon zu nennen.
Beeindruckt cremte ich vor mich hin und starrte auf den Bildschirm: „Lasst uns ein Loch graben und die verfluchte (wörtlich) Statue ein für allemal beerdigen“, dröhnte unheilschwanger der schneidige Protagonist, woraufhin er muskulös eine Schaufel ergriff und die motivierenden ersten Schaufler tätigte.*

* Das zitierte Beispiel existiert nicht. Also schon, aber nur als Beispiel und zwar hier. Sonst aber nirgends.
… Da ich grad so nett am Fußnöteln bin, nimmt es mir wohl niemand übel, wenn ich, nur ganz kurz, etwas mit euch teile, was mich gerade enthusiasmiert: Die obige Aufzählung von Objekten, die im abendlichen Programm verbuddelt werden, beginnt mit Haustieren und einem beschreibenden Wort davor. (Damit ihr augenfaul im gleichen Abschnitt bleiben könnt: Die Rede ist von „verschiedenen Haustieren“.) Dies kann man nun – je nach Persönlichkeitsprofil – folgendermaßen gelesen haben:

  • Unterschiedliche Haustiere
  • Gestorbene Haustiere
  • „Hm. Das kann ja unterschiedlich oder gestorben heißen. Wie ulkig.“

Ist das nicht zehenkrümmend faszinierend?
Und jetzt würden die drei entsprechenden Persönlichkeitsprofile folgen, aber dann wäre die Fußnote länger als der eigentliche Text und das geht ja auch nicht.**

**Nichtgärtner meinte beim Vorkosten monieren zu müssen, dies sei eine „gemogelte Fußnote“, weil „nicht am Ende der Seite“. Meinetwegen. Nennen wir sie halt Bauchnote.

Der Schneidige ist also emsig beim Schaufeln, Nichtgärtner und ich sehen sofalümmelnd zu, langsam reibe ich die Hände aneinander und:
„Hm“, meinte ich, den Blick hochkonzentriert auf den Bildschirm gerichtet. „Hm.“
„Kommt noch was?“ frug er.
„Das stimmt doch nicht. Schau mal, wie der schaufelt.“
„Zu langsam? Zu schnell? Falsche Technik? Falscher Ort?“ Nichtgärtner grinste breit.
„Ha. Ha. Jetzt guck doch mal hin!“
Und so guckten wir zu, wie die beiden Protagonisten abwechslungsweise das Loch schaufelten, dabei über Tiefgründiges parlierten, sich ein- oder zweimal die leicht glänzende Stirn tupften und inzwischen gute anderthalb Meter Richtung Erdkern gegraben hatten. Noch immer (wir waren bei anderthalb Tiefenmetern!) glitt die Schaufel widerstandslos in diese rieselige dunkle Masse, stach rein und schleuderte das Geriesel auf den Haufen (wenn man genau hinsah, sah man, dass da lustig Krümel am Runterkullern waren).
„Tscha“, meinte Nichtgärtner schnippisch. „Die sollen das mal bei uns versuchen.“
Genau.

Nur … irgendwie sah ich von da an ausschließlich solche Erde, egal, wo die Handlung spielte, ob es sich um Garten-, Wald-, Etc.-Boden handelte und wie das Wetter war. Die Schauspieler schwitzten und stöhnten unterschiedlich stark, manchmal hatten sie eher unglückliche Grabewerkzeuge zur Hand, auch schon mal nur Letzteres, aber Löcher kriegten die alle hin. Und was für welche. In mir begann ein immer größer werdendes Fragezeichen aufzusteigen, langsam, wie ein verrunzelter Luftballon. Irgendwas war da ganz faul in meinem Garten oder aber die im Fernsehen logen uns mitten ins gebannt guckende Gesicht.
Mit der Schaufel fing es ja schon an. Schaufel! Spaten, Leute, Spaten, nur so wird ein Loch draus! Wenigstens in absehbarer Zeit. Und wie die graben! Einmal ein bisschen mit dem Fuß nachgeholfen, das war’s. Ab fünfzig Zentimeter komme ich, wenn überhaupt, nur mit einem beidfüßigen Wuchtbrummensprung auf des Spatens Schultern zu Potte; später helfen nur noch Nichtgärtner oder/und Spitzhacken. Anderthalb Meter? Vergesst es. Und rieseln tut da überhaupt rein gar nichts. Höchstens klumpbröckeln, wenn schon.
Bevor ich nur noch mit enttäuschter Verdrossenheit auf das Geschenk mir zu Füßen sehen konnte, kam Schwiegermama zum ersten Besuch, bückte sich beiläufig während des Plauderns, nahm etwas Erde in die Hand und sagte nickend: „Hm-m. Du hast da einen sehr guten Gartenboden!“ Verständnislos strahlte ich in ihr Gesicht. „Doch, doch, das kannst du mir glauben. Das ist toller Lehmboden, da darfst du dich von schreiben.“
Schwiegermütter haben größeres Gewicht als das Fernsehen; ich schrieb mich auf der Stelle von.

Von diesem denkwürdigen Augenblick an begann es zu wachsen, das zarte Pflänzlein der Zuneigung. Mit jedem Gartenmonat mehr lernte ich meinen Boden besser kennen, ergründete seine Eigenheiten, Vorlieben, Launen und betrachtete ihn mehr und mehr als Lebewesen. Auch furznüchtern biologisch betrachtet kann man nicht anders, behaupte ich jetzt einfach mal. So ein Boden ist unbestreitbar ein Organismus und das weiss jeder, der seinen jemals ans Mulchen gewöhnen musste.
Ja, es gibt mulchungeübte Böden, man könnte sie mit etwas Hang zum Dramatischen auch traumatisiert nennen. Wer jahrelang malträtiert worden ist, braucht offenbar Zeit, mit Glück umgehen zu lernen. Behutsam versah ich jede nackte Stelle mit einem Hauch aus grünen Rasenschnitt-Spitzen und sah ihm dann dabei zu, wie er dalag. So ähnlich wie bei der einjährigen Hündin, die wir aus dem Tierheim geholt hatten. Als ich ihr die ersten Male Spielzeug darbot, sah sie es nur verständnislos an, egal ob ich es warf, rollte, hinlegte, damit in der Gegend rumhüpfte oder mich sonstwie zum Affen machte. Wie sie brauchte der Boden ein bisschen, bis er begriff, womit man ihn da verwöhnen wollte. Nach einem Jahr kippte ich Rasenschnitt drauf, wie man es unter keinen Umständen tun dürfte, würde man die Gartenratgeber befolgen, die unisono mantrieren: Benutze nie frischen Schnitt, lass das Zeug immer vorher antrocknen und bring es dann niemals nie dicker als fünf Zentimeter aus, sonst verfault es garantiert und beginnt zu stinken. Ach, Pusteblume. Hätte ich nicht Deckbett-hoch gemulcht, wäre bereits nach einer Woche alles weggemampft gewesen. Gefault hat da trotzdem nie was und Schnecken hatte ich früher eh en masse, da störten mich die drei zusätzlich Angelockten auch nicht weiter. Ob sich die Gartenratgeber zufälligerweise nie mit einem Boden wie dem meinen ins Benehmen gesetzt hatten oder fortlaufend voneinander abschrieben, eines, so meine ich, steht fest: Es ist nicht jeder gleich, ob Mensch, Tier oder Boden.

Das richtige Mulchen für meinen einen Boden konnte mir daher niemand anders als er selber beibringen. So was ergibt sich von alleine, wenn man wachen Auges und Geistes durch seinen Garten wandelt, darin werkt und wirkt, sieht, was es zu sehen gibt, beobachtet, nachdenkt, Schlüsse zieht und mit solchen von anderen vergleicht. So zum Beispiel entstand meine Bodenapotheke, die mit Ringelblumen, Tagetes, Kamille und noch einer Handvoll anderer Hausmittelchen bestückt ist. Einem Boden siehst du das Kränkeln noch schneller an als einem Mann – auf Letzterem wächst ja auch kein Gemüse, Obst oder Ziergrün – und während du dem einen einen Kräutertee braust und auf seine Elektrolyte achtest, säst du beim anderen was Bodenkurendes. Irgendwie bestechend einfach.

Könnte man jedenfalls meinen, es sei denn, man sei … ein Mann. Nicht, dass das zwingenderweise stimmen muss, aber erlebt habe ich es bislang nicht anders: Wenn sich irgendwer kompliziert tut mit dem Boden, dann sind es fast ausnahmslos Männer.
„Grummel, das Gemüse will nicht so … ob’s an einem zu tiefen pH-Wert liegt? Oder vielleicht an der zu kalibetonten Kopfdüngung? Andererseits könnte es auch ein Eisenmangel sein oder der Phosphorüberschuss, wir haben eh alle zu viel Phosphor in unseren Gärten. Laut Bodenprobenanalyse vom letzten Jahr wäre ja alles im grünen Bereich, aber ob das stimmt mit den einzelnen Stichproben? Letztes Jahr kann ich mich jedenfalls an keine Gemüseprobleme erinnern. Wann hab ich eigentlich zum letzten Mal gekalkt und wie soll ich jetzt düngen, wenn ich nicht weiß, was los ist? Mensch!“
Bei Frauen tönt das dann so:
„Grummel, das Grünzeugs will nicht so … am Wetter kann’s nicht liegen, also wird’s wohl der Boden sein. Ich warte mal ab und wenn’s nicht besser wird, dann gönne ich ihm eine längere Gründüngungs-Pause, die ist eh schon lange überfällig.“
Sollte ich in diesem Punkt grund- und bodensätzlich irren, so bitte ich euch, tut es mir kund. Im Übrigen finde ich die zweite Variante sinnvoller. Vielleicht, weil ich eine Frau bin. Ganz sicher aber, weil mein Boden mir eine gewichtige Lektion erteilt hatte: „Pfusch möglichst wenig rein und rum, ich weiß schon, was ich tu.“ Nicht im Traum käme es mir in den Sinn, wissentlich am pH-Wert und den einzelnen Mineralsalz-Gehalten rumzudoktern, es sei denn, man würde mir irgendwann mal einen grottenmiesen Boden unterschieben. Wobei ich auch in diesem Fall versuchen würde, es auf andere Weise hinzukriegen. Ich kenn mich ja inzwischen.

Es hat ein Gutes, sich selber zu kennen und zu wissen, was man braucht. Ich kann mich noch gut an mein Erstaunen erinnern, als ich zum ersten Mal realisierte, wie sehr ich jeweils danach gierte, endlich nach Hause zu kommen und im Garten arbeiten zu dürfen. Das Sehnsuchtsbild, das dabei vor mir aufstieg war stets dasselbe: Meine beiden Hände, wie sie Erdbrocken zerdrücken, im Boden wühlen und Pflanzen setzen. Das Arbeiten mit einem gewachsenen Boden, der direkte Kontakt mit Erde gab und gibt mir etwas, was ich schmerzhaft vermisst hatte, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, dass es mir überhaupt gefehlt hatte.
Ein mulchfremder Boden, eine Hündin, die keine Spielzeuge kennt, ein Mensch, der jahrelang keine richtige Erde mehr in den Händen gehalten hatte. Ihnen ist eines gemeinsam. Das Staunen darüber, Glück erleben zu dürfen, während der muffelige Blick auf die unerträglich sauberen Fingernägel, das verzweifelte Kratzen an der kalten Fensterscheibe und verzehrende Gedanken an zwei Handvoll Erde dicht unter der eigenen Nase allein dem oben erwähnten Menschen vorbehalten sind.

21 Antworten

  1. schööööön, ein neuer Text :-*

    Auf ein schönes, erfolgreiches neues Gartenjahr 😀

    Bodensätze….Bodenschätze, wenn es erstmal wieder so weit ist, das man mit den Fingern den Boden durchwühlen kann. Noch ist es leider nicht so weit. Noch ist der Boden gefroren.
    Ich würde einiges geben, wenn ich endlich wieder buddeln könnte. In feiner, krümeliger, rieselnder Erde….haha….rieselnd….nie nicht rieselt die Erde….schwerer Boden, meist nass und klebrig, aber eben mein Boden hier. Man hat sich dran gewöhnt, er gehört hier her, man weiß was geht und was nicht geht und ich warte auf den Frühling, dann gehts wieder los.

    Danke Nick, für diesen schönen Text 🙂

  2. Schön, hat die Muse die Auszeit beendet? 😉
    Vorsicht mit den Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
    Mein (Sand)boden rieselt. Und zwar immer wieder in das gegrabengeglaubte Loch zurück. Kaum daß man glaubt, man hätte drei Spatenstiche getan… Du mußt Dich noch nicht mal umdrehen, schon ist das Loch wieder zu… Man könnte auch mit Schaufel graben – aber eben nur das – ein Loch wird das niemals :))

    * fußnöteln *
    hach, ein neues Lieblingswort!

    • Nicht, dass da Missverständnisse aufkommen: Dieses Mal brauchte nicht die Muse, sondern ich die Auszeit. (Sie bestand darauf, dass ich das klarstelle.)
      Höchst interessant! Dann sind die Filmböden zwar so leicht wie Sand, wurden aber vorher ganz eindeutig präpariert – man ist beinahe versucht, diverse Filmstudios anzuschreiben, um da mal genauer nachzufragen. 🙂

  3. Hallo Nick,

    wie schön, wieder von Dir zu lesen!

    Auch mein Schwemmsandboden rieselt, wenn ich mich erdreiste, die dünne Mutterbodenschicht zu durchstoßen, sei es zum Pflanzen eines Bäumchens oder eines Pfostens, von dem ich der Meinung bin, er muss ab sofort ein Insektenhotel oder etwas ähnlich Sinnstiftendes tragen. Am liebsten hat er es, wenn ich zwanzig Zentimeter dick halbverotteten Kompost auftrage und dann Kartoffeln drin verstecke.

    Und das Gefühl, mit beiden Händen in diesem Bodenschatz zu wühlen – das kann niemand nachvollziehen, der es nicht selbst ausgekostet hat.
    Danke!

    • Sinnstifendes tragende Pfosten … *rofl* Ok, ok, ihr habt es geschafft. Ich werde nicht mehr bodenmässig fremdgehen, indem ich heimlich von Rieselerde träume.
      Dass bei dir auch eine gehörige Portion Liebe dabei ist, liest sich herrlich zwischen den Buchstaben des Kartoffel-Satzes. Wie schön!

  4. Vielen Dank für das „frische“ Ei, hurra es ist geglückt, sogar ohne Muse. Ich bin ja immer wieder erstaunt, wie Du aus einer Winzigkeit (hier: dem „Loch im Fernsehen“) so eine unterhaltsame, überraschende Geschichte entstehen lassen kannst. Kompliment.

    Auch ich giere danach, endlich wieder in der Erde rumwühlen zu dürfen. Wie es ausschaut wird das jedoch noch eine ganze Weile dauern – weiss in weiss und alles tief gefroren.

    Der Laubkompost auf Deinem Bild sieht richtig richtig super aus – krümeliger gehts gar nicht mehr. Bin ich froh, dass ich im Herbst einen halben Komposter mit Laub gefüllt habe und freue mich schon auf ein ähnliches Resultat.

    Viele liebe Grüsse auch an Deine Muse
    Saattermin

    PS: „Man will nicht schrulliger wirken, als man eh schon ist.“ Dieser Satz gefällt mir total !! Kicher

    • Du steckst einen herrlich an mit deiner Kicherei und deine Komplimente gehen runter wie Öl, danke! Aber, ähm, die Muse war durchaus beteiligt an diesem Ei. (Sie bestand darauf, dass ich das klarstelle.)
      PS.: Falls jetzt jemand etwas desorientiert nach einem Laubkompostbild sucht: Das haben die Newsletter-Abonnenten gekriegt.

  5. Endlich, endlich sprießen sie wieder, die Günen Töne – der beste Auftakt für’s neue Gartenjahr! Viel kann jetzt nicht mehr schiefgehen, Wetterunbillen und Plagen welcher Art auch immer stecken wir ja sowieso stoisch weg, immer auf ein Neues hoffend.
    Mit der vorgefundenen Gartenerde, die man sein Eigen nennen darf, verhält es sich wohl nach dem Prinzip, dass man dazu neigt, dasjenige zu idealisieren, was man eben gerade nicht hat. Was mich betrifft: ich habe hier die beschriebene, so telegene Feinkrümel-Erde, nämlich besten humosen Veenboden. Zum Pflanzen ist schweres Gerät nicht nötig, und es reichen oft die bloßen Hände. Allerdings kann man ein Buddeln in größere Tiefen hier dennoch getrost vergessen, denn nach 50cm ist man im Wasser. Was unmittelbar zur Folge hat, dass man beim Pflanzen eines Baumes mit dem Ausbreitungsdrang seiner Wurzeln, bzw. seiner Nässe-Toleranz zu rechnen hat. Und so wunderbar fruchtbar der Boden hier auch ist, für eine Walnuss zum Beispiel ist das hier vollkommen ungeeignet. Da übt die Gärtnerin den Verzicht.

    • „Telegene Erde“ – wundervoll!
      Du reizt es aber schon aus mit dem Verzicht auf neidisches Zu-dir-rüber-Schielen: Telegene Erde, feinkrümlig, humos, spielend leicht zu bearbeiten, wunderbar fruchtbar, nie ein Dürre-Problem … und zum Trost kommst du dann mit Walnusslosigkeit. 🙂

  6. Erzwungene Walnusslosigkeit ist aber doch wirklich ein Grund zur Klage! Wobei, so ganz eigentlich würde solch ein Baum hier sowieso mehr Platz beanspruchen als ich ihm beim besten Willen zu geben in der Lage wäre. Aber Veenboden ist nicht uneingeschränkt das Gelbe vom Ei: Gewächse, die es lieber basisch haben, mäkeln zuweilen. So stecke ich meinen Helleborus‘ jeweils ein Stück Schulkreide mit in’s Pflanzloch.
    Und trotz des hohen Grundwasserstandes hat unser leichter Veenboden bei lange ausbleibendem Regen sehr wohl die Neigung, auszutrocknen, mit zum Beispiel schlappenden Hortensien zur Folge. Immerhin muss man sich hier in derartigen Dürreperioden nicht mit Trinkwasser behelfen: eine Pumpe mit Schlauch in einen der umringenden Wassergräben, und das Bild des Jammers ist im Nu vorbei.

    • Jetzt hätte ich grosse Lust darauf, in einem reich bebilderten Buch mit dem Titel „Gärtnernde Menschen und ihre Böden“ zu schmökern, wenn’s denn so eines gäbe. Das, was ich hier von Sand- und V(bzw. F)eenboden-Besitzerinnen mitkriege, ist höchst fesselnd und macht Lust auf mehr!

  7. Wenngleich ich die Schöpfung einer ‚Bauchnote‘ ganz amüsant finde, kann ich die Diskusssion um die verbuddelten Objekte nicht ganz nachvollziehen.
    Entweder werden verstorbene Haustiere vergraben oder die Betonung liegt auf unterschiedlich, dann lautet die geeignete Wortwahl ‚diverse verstorbene Haustiere‘.
    Verstorben sind sie doch wohl in jedem Fall. Oder hast Du womöglich mitverfolgt, wie überambitionierte Bodenflüsterer aus Nachbar’s Garten nicht Kirschen, sondern Regenwürmer entwendeten und rasch im eigenen Grund und Boden versenkten?

    • 😉 Da will ich dir auch gar nicht widersprechen. Mein Verzücken war ja auch eher ein linguistisches denn ein bestatterisch relevantes.

  8. „V(bzw. F)eenboden“…, das ist hübsch gesagt und der muss traumtänzerisch leichtfüssig sein!
    Teilweise gibt`s in meinem Garten auch Tonboden, grabtechnisch vielleicht so etwas wie das Mammut unter den Böden?;)
    Nach dem Nick-Text habe ich direkt Lust bekommen, die 2017-er Löcher mal zu zählen, die noch zu grabenden!
    Aber zuerst wird zunehmend ungeduldig auf die im Boden sitzenden Frühlingsaufsteher gewartet. Der Blick wandert suchend…über den Boden natürlich!
    In diesem Sinn einen guten Start in den Vorfrühling. Denn alles Gute kommt aus dem Boden! 😉

  9. liebste Nick
    Genialer Text! Als Frau und Spriessbürgerin empfehle ich eine Gründüngung und sei es auch nur für ein paar Wochen oder Monate aus dem Chuchi-chästli: Linsen sind günstig, jederzeit zur Hand, kann man breitwürfig streuen, später nur dort ausreissen, wo man hineinzupflanzen gedeckt, damit die Linsenpflänzlis Wind und Schnecken so lange abhalten, wie es braucht bis sie in ins Längenwachstum kommen. Keine Linsen at home? Leinsamen gehen auch. Oder Kichererbsen. Oder Buchweizen oder…

    Ach was soll ich ausholen, kannst es ja im Spriessbürger auf Seite 265 ff nachlesen. Falls Du vor lauter Schreiben überhaupt Zeit zum Lesen hast 😉
    Herzliche Grüsse, Eveline

    • Offensichtlich muss ich auch ein bisschen was von einer Frau und einer Spriessbürgerin in mir haben: Es lümmeln tatsächlich verwinterte Phacelias rum. Wenn auch nur auf dem einen Gemüsebeet. Auf allen anderen inklusive den Zierbeeten liegt Mulch, den die Mädels heute bei Sonnenschein genüsslich in der Weltgeschichte herumgeworfen haben (ein weiteres gutes Argument für Gründüngung!).
      Hm. Irgendwie fühl ich mich trotzdem ertappt: Woher zum Teufel wusstest du, dass ich erst diesen Herbst meine erste Gründüngung eingesetzt habe? Das grenzt ja schon fast an Telepathie. Ei der Daus.

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