Über Grüntöne

Vergnügt plätschern die Gedanken dahin, mitunter monoton repetitiv wie ein Arbeitslied oder tatsächlich eines, manchmal aber beißen sie sich fest und käuen wieder.
Aus: Stille Gespräche

Letztlich sind die Grüntöne nichts anderes als das: Gedanken, die im Garten entstehen, aber nicht zwingend nur um ihn kreisen. (Meistens aber schon.)

Waschbetontreppenprosa
Ihren Anfang nahmen die Grüntöne so, wie ich als frischgebackene Gartenbesitzerin mein erstes Beet bepflanzt hatte: „Mal gucken, ob da was kommt, im schlimmsten Falle reiß ich halt alles wieder raus.“
Abgesehen davon, dass das Bepflanzen nicht mal ansatzweise so viel Mut erfordert hatte wie das Schreiben, geschah beide Male dasselbe:
Wie dieses eine Beet funktionierten die Grüntöne und begannen mit der Zeit, ihr Eigenleben zu entwickeln. Wohl konnte und kann ich korrigierend eingreifen, aber letzten Endes weisen sie mir bis heute den Weg.

Aus meinen Hühnern wurden Velociraptoren, aus meinem Partner der Nichtgärtner, aus meiner unsäglich hässlichen Waschbetontreppe der Ort des beobachtenden Gedankenwanderns und aus den Texten selber ein Streifzug durch die Jahreszeiten, in meinem und fremden Gärten.
Die Grüntöne haben sich vermehrt, sind gewachsen und entpuppen sich mehr und mehr als Waschbetontreppenprosa voller Gedankenpflanzen, die sich ihre meist verschlungenen und auch für mich immer wieder überraschenden Wege bahnen. Mal rhizomig kriechend, mal versamt hüpfend.

Musensprache
Wenn sich während des Gärtnerns oder Gartenguckens ein Satz oder etwas Längeres in meinem gärtnernden Kopf festgebissen hat, setze ich mich mit dem Laptop hin und guck, was tippenderweise daraus erwächst. In der Regel hopst zeitgleich meine Muse herbei und flattert auf meine rechte Schulter, was sich nicht immer als angenehm erweist. Sie ist störrisch, eigensinnig, rechthaberisch und getragen von einem Selbstbewusstsein, das jeden Tyrannen vor Neid erblassen ließe.

Aber sie liebt die deutsche Sprache genauso wie ich.
Wem gelingt es besser, etwas punktgenau präzise auf den Punkt zu bringen und dabei grinsend-großmütig verrückte Spielereien zuzulassen, als dem Hochdeutschen?

Mich dieses Werkzeugs zu bedienen, mit ihm rumzualbern und gleichzeitig durch es an der Leine geführt zu werden – grammatikal- und orthographisch –, ist mir Freude, Lust und willkommen zügelnder Rahmen zugleich.
Die Grüntöne drehen sich um Gärtnerisches. Aber sie sind auch ein ganz tiefer Knickser vor ihr: dieser herrlichen Sprache.

Das Ende – zumindest vorläufig
Aller guten Dinge sind dreiundneunzig.
Oder so.
Nach vier Jahren und reiflicher Überlegung kamen wir zum Schluss, dass wir uns anderen Beeten widmen möchten, was wir nun tun. Nicht, dass die Grüntöne-Ideenschublade leer wäre, ganz im Gegenteil, aber irgendwann zieht es einen unweigerlich weiter. Ob es uns dereinst wieder hierher zurückzieht? Wer weiss.

Schlussknickser
Begonnen hatte es als Experiment beim Forum garten pur, weiter wuchern wollte es hier auf dieser Website. Ein dickes Danke darum an Nina und Thomas, den Betreibern des Forums, ohne die ich den ersten Spatenstich für das Beet nie angedacht hätte.
Ebenso an die Löwenzähnin und den grossen Bruder – niemand versteht es besser, jemanden auf seinen eigenen Weg zu schubsen als ihr beide.
Und schliesslich ganz besonders an dich,
meinen Gartenlesebesucher.